Zambia – Take A Walk On The Wild Side

Drogba for Sale!

Inzwischen hatte ich schon einiges an Zeit um meine Gastfamilie, oder besser, meine Gastschwestern kennenzulernen.

Besonders mit Carol, der 19-jährigen Nichte meiner Gasteltern, habe ich gute Gespräche gehabt. Sie ist schon seit etwa 2 Jahren mit der Schule fertig und wird im Juli an die Uni gehen. In der Zwischenzeit lebt sie Zuhause und hilft im Haushalt. Wir verstehen uns (bis jetzt) sehr gut, obwohl es natürlich grosse Unterschiede gibt.

Einer der stäksten ist der Glauben.
Meine Gastfamilie ist sehr gläubig.

Sonntäglicher Kirchgang, ein Gebet vor dem Essen…Kein Problem, aber doch etwas neu für mich. Was mich besonders überrascht hat war, dass Carol vor ein paar Tage zu mir kam und mir erzählt hat, dass sie jetzt mit den zwei anderen Mädchen „Bible Studies“ machen würde und ob ich mich ihnen nicht anschliessen will. An dem Abend war ich sehr lange Unterwegs gewesen und wollte mich einfach nur ausruhen. „Das nächste Mal kommst du dann aber!!??“. Bis jetzt hat dieses nächste Mal noch nicht statt gefunden, aber wir es wird wahrscheinlich schon bald kommen.

Auch als ich Carol vor einer Woche kennengelernt hatte (sie war vorher bei ihrer Grossmutter gewesen) war die Unterhaltung der Mädchen von einem Thema geprägt: Satanismus. Sie redete darüber welche VIPs alle den verschiedensten satanistischen Gruppen angehören und wie sich alles in den Lyrics ihrer Songs oder Texte ihrer Reden nur um den Satanismus drehe. Einige der von ihnen aufgezählten Mitglieder waren Jay-Z und Bruno Mars, aber auch Barack Obama war darunter.
Da wusste ich nicht wirklich was ich sagen sollte…

Die erste Messe sie ich besuchte war…sehr anders als die die ich aus Deutschland kenne. Der Chor hat schöne Gospellieder gesungen während er auf einem Keyboard begleitet, das neben den gespielten Akkorden auch einen einprogrammierten Beat abspielte. Der Priester hatte ein Mirkofon, sprach aber in einer Lautstärke, dass auch ein Schwerhöriger in der letzten Reihe jedes Wort problemlos ohne verstanden hätte. Er berichtete von einem persönlichen Ereigniss auf das ihn wohl viele aus der Gemeinschaft angesprochen haben und daher dachte er er sollte es vielleicht allen in der Messe erzählen, dann müsse er die Geschichte nicht immer zu wiederholen. Ist schon praktisch, oder?
Es ging darum, dass eine seiner Schwestern Mitte Januar an Malaria gestorben sei. Er erzählte von all ihren guten Taten, wieviel Kraft sie hatte und wie unermüdlich sie arbeitete. Aber ich muss gestehen, dass mir von seiner Rede eine andere Stelle im Kopf geblieben ist. Nämlich die in der er ausführlich von ihrer Malariaerkrankung sprach. Davon, wie sie kurz vor ihrem tot aus der Nase, dem Mund und auch aus den Augen geblutet hat! Besonders schön war, dass er diese Passage immer wieder (laut ins Mikro „brüllend“) wiederholt hat. Irgendwie hat das die schönen Dinge die er gesagt hat etwas überschattet.

 

Bis zum Abend gab es an diesem Sonntag (12.2.) nicht mehr viel zu tun.
Doch um etwa 18.30h fanden sich die Mädels des Hauses in der Küche ein (dann fand auch das „Satanistmus-Gespräch“ statt…es dauerte aber nicht die ganze Zeit an) um das Abendessen zuzubereiten.

–Ja, das ist hier jeden Abend so, dass die Mädchen das Essen machen. Und den Abwasch.-

Kurz bevor das Finale begann waren wir fertig. Und so sassen wir alle zusammen, die Männer schon auf Sessel und Sofa vor dem Fernseher (Ess- und Wohnzimmer sind eins), die Mädchen/Frauen am Tisch.

Und dann, um 21.30h, war der Anpfiff.

Alle hatten sich nun vor dem Fernseher versammelt, mit den Tellern auf dem Schoss.

Die letzten Tage waren unglaublich heiss und vollkommen trocken gewesen, deshalb wunderte es niemanden, dass es angefangen hatte zu Regnen. Ich freute mich über die von mir lang herbeigesehnte Abkühlung. Aber die Freude dauerte nicht lange, denn es war nicht einfach nur ein Regenguss, es war ein Sturm. Und wie es kommmen musste hatten wir nach etwa 10 Minuten Spielzeit keinen Empfang mehr!!!

Die Unterbrechung wurde unterschiedlich genutzt, die Männer versuchten verzweifelt irgendwo im Haus Empfang zu bekommen und die weiblich Fraktion fand sich in der Küche beim Abwaschen wieder.

Nach einer Weile wurde ich sehr müde und entschied mich, ins Bett zu gehen.
Gerade als ich mich hingelegt hatte hörte ich, dass es wieder Empfang zu geben schien. Aber ich war zu müde/faul mich zu den Männern zu begeben (die Mädels hatten sich auch in ihr Zimmer zurückgezogen um anderes zu machen). Also schlief ich.

Irgendwann wachte ich auf. Draussen war in Abständen immer wieder Freudensschreie zu hören. Lauter als vorher.

Und plötzlich war die Nacht erfüllt von Freudengebrüll, Musik, Feuerwerk, Böllern, Hupen….

Die Jungs im Wohnzimmer sprangen auf uns liefen brüllend den Flur auf und ab.

Tja, da hatte wohl grade eine Manschaft gewonnen, die in ihrer ganzen Geschichte noch keinen einzigen Pokal erhalten hatte!

Natürlich musste ich aufstehen und als ich ins Wohnzimmer kam war ich die letzte, alle starrten wie gebannt auf den Bildschirm. Die Fussballer waren alle vollkommen aus dem Häusschen, genau wie die ganze Nation. Ich habe keine Ahnung wie ich bei dem Lärm schlafen konnte, aber warten wollen bis es aufhörte wäre auch leicht naiv gewesen. Die Feiern dauerten bis Montagnacht an.

Am Montag war uns schon klar, dass nicht viele Schüler zum Unterricht kommen würden und als wir nur ein kleines Grüppchen antrafen, schickten wir diese nach Hause. Die Aufregung war zu gross, alle wollten Mittags unten an der grossen Strasse (Great East) auf die ankommenden Helden warten.

Auch Cecilia wollte sich „kurz“ an die Strasse stellen und der Manschaft zuwinken. Ich entschied mich mitzugehen.

Um ungefähr 12.00h machten wir uns auf den Weg, in der prallen Sonne.

Alles war voll. Der Grünstreifen zwischen den zwei Fahrbahnen war schon voll mit Leuten. Viele waren in den Nationalfarben gekleidet, hatten Fahnen oder trugen Trikots. Die Autos in beiden Richtungen hupten. Die blauen Minibusse, die das wohl meistgenutzte Fortbewegungsmittel in ganz Sambia sind, und viele andere Fahrzeuge, waren mit Fahnen un Schals geschmückt, die Fahrer und ihre Mitfahrer lehnten sich aus den Fenstern, spielten laute Musik, riefen Sprüche und machten Gesten die von allen Seite erwidert wuden. Sie liessen sich von der Menge anfeuern. Pick-ups und Trucks auf deren Ladeflächen sich Menschen dicht drängten.

Auf Plakaten, Bannern und Autos konnte man die verschiedesten Sprüche lesen. Aber der Spruch der in aller Munde war, der in jeder Unterhaltung über Fussball fiel, der auf jedem zweiten Minibuss stand war: Drogba for sale!
Didier Drogba, der Superstar Ivory Coasts, hatte den Elfmeter verschossen, mit dem er noch vor der Verlängerung das Spiel hätte umdrehen können.

Die Sambier können nicht aufhören zu erwähnen, dass nicht einmal dieser Weltklasse-Spieler sie hatte aufhalten können.

Ich stand in der Sonne und sah mich einer Menschenmenge gegenüber, die erfüllt war von Freude. Aber dieser Anblick machte mir fast ein wenig Angst, weil die Freude so gross, die Emotionen so stark waren. Es wunderte mich nicht mehr, dass bei den Feiern nach dem Halbfinale Menschen umgekommen waren. Die Menschen waren so von Freude erfüllt, dass sie alle Gefahr vergassen. Menschen die auf den Dächern fahrender Autos standen, auf Ladeflächen fahrender Trucks sprangen und dort zur belustigung der Leute zu tanzen anfingen. Gruppen junger Männer brachten alle zum lachen indem sie auf die Strasse liefen, Autos anhielten und die Methoden der regulären, auf allen grossen Strassen des Landes zu findenden Polizeikontrollen nachahmten.

Wo wir standen ging alles gut, aber am nächsten Tag wurde bekannt, dass bei den Feiern wieder viele Situationen nicht so gut ausgegangen waren. Fünf Tote und über 30 Verletzte.

Es ist wirklich schade, dass ein Ereigniss, dass alle Menschen in diesem Land so bewegt, so zusammen bringt,  auch den Tod von insgesamt mehr als 21 Menschen bedeutet hat.

 

 

Es hiess, das Team würde um 13.00h am Flughafen ankommen. Dann war es 13.00h. Bald schon 14.00h. Falscher Alarm.

Aber um 15.30h sollten sie dann wirklich bei uns sein. 15.30h: nichts. Es wurde 16.00 und dann 17.00h. Immer noch nichts.

Nach mehr als 5 Stunden in der prallen Sonne wurde es plötzlich laut und die Leute strömten auf die Strassen, stärker als sie es sowieso schon getan hatten. Ab 16.30h, nachdem der Vizepräsident vorbeigefahren war, der auch von dem Spiel zurückkam, waren so viele Menschen auf die Strasse geströmt, dass auf einer Fahrbahn mit drei Fahrstreifen nur noch knapp einer frei war. Trotzdem schienen die Menschen noch weiter nach vorne zu rücken, alle reckten sich, alle drückten sich noch ein Stückchen weiter nach vorne.

Und da waren sie!

Auf einem offenen Wagen kam das Team und der Pokal.

Plötzlich fand ich mich in einem Meer in die Luft gereckter schwarzer Arm wieder. Überall um mich herum waren nur noch Hände in der Luft. Und alle waren scharz. Obwohl das natürlich nicht wirklich verwunderlich sein sollte, war ich doch irgendwie überrascht.

Jetzt hat sich alles etwas beruhigt, aber trotzdem sieht man noch viele Autos mit Fahnen.
Die Sambier werden sich nicht so schnell von diesem Freudenschock erholen.

Ach ja, an diesem Montag hatte ich natürlich keine Kamera dabei!! Ich hätte mich dafür umbringen können als ich an der Strasse stand und dieses Riesenspektakel vor mir gesehen hab.
Die eingefügten Bilder sind also nicht von mir, sondern aus dem Internet….

Die liebsten Grüsse…wie immer!


By now I’ve had some time to get to know my guest family, or better: my guest sisters.

Especially with Carol (the nineteen year old niece of my guest parents) I’ve had very good conversations. She finished school about 2 years ago and will go to college in July. In between school and college she was just at home, helping around the house. We get on very well (so far), even though there are obviously many differences.
One of the most prominent is faith.
My guest family is very religious.
Going to church on Sundays, saying grace before each meal…No problem, but still something new for me. A big surprise for me was when Carol came to me a couple of days ago and told me that she and the other girls would now do “Bible Studies” and asked me if I wanted to join. On that day I had been very busy, was very tired and just wanted to rest. “But next time you’ll join!!??”. So far the “next time” hasn’t happened, but probably it’ll come soon.

Also when I met Carol the first time, about a week ago (she was at her grandmother’s before), the girls’ conversation was mostly about one topic: Satanism. They talked about VIPs being members of all kinds of Satanist groups and how the lyrics of their songs or the content of their speeches were all about Satanism. Some of the names mentioned were Jay-Z, Bruno Mars and also Barack Obama.

I didn’t really know what to say to that….

 

The first mass I went to was…very different from the ones I’ve been to in Germany. The choir sang nice gospel songs while being accompanied by a keyboard which played next to the pressed keys a recorded beat. The priest used a microphone but he talked so loud that even a deaf person in the last row wouldn’t have had any problems understanding him without it. He talked about something that had happened in his family. Since many people from the community had been asking him about it he thought perhaps he should just tell what happened during the mass, then he wouldn’t have to repeat the story over and over again. Very handy, isn’t it?

In the middle of January one of his sisters had died from malaria. He talked about all of the good deeds she had done, about the strength she’d had and the work that she had been doing. But I have to admit that it was a different part of his speech that I remember the best. The part where he talked about her sickness in detail. He talked about how shortly before her death she had been bleeding out of her nose, mouth and eyes. Especially uplifting was that he kept on repeating this passage, “screaming” it into the microphone. Somehow that overshadowed the nice things he had said.

 

There was not much to do till the evening on that Sunday (12.2.).

But at around 6.30pm the girls met in the kitchen (that’s when the Satanism conversation happened…fortunately not for the whole time we were there) to prepare dinner.

-Yes, the girls cook, every evening. And they do the washing-up.-

Shortly before the final started dinner was ready. So we all sat together, the men already on the sofas in front of the TV (dining and living room are one), the girls/women sat around the table.
And at 9.30pm the match started.

Everybody was sitting in front of the TV by then.

The last days had been very hot and completely dry, so nobody was surprised as it started to rain. I was very happy about this long desired cooling. But the joy, didn’t last very long, since it wasn’t just rain but more a storm. And because of that after 10min of the match we didn’t have any signal anymore!!!

The interruption was used very differently. The guys desperately tried to get signal in every room of the house and the girls went to the kitchen to do the washing-up.
After a while I got very tired and decided to go to bed.

Just when I had lied down I heard that the signal was back. But I was too tired/lazy to join the guys in the living room (also the other girls had gone off to their room). So I slept.

At some point I woke up. I could hear shouts of joy in short intervals. It was louder than it had been before.

And suddenly the night was filled with yelling, music, fireworks, honking….

The guys in the living room jumped up and down and ran the corridor up and down.

Well, I guessed that the team had one that had never gotten a trophy ever before.

Obviously I had to get up and I entered the living room as the last person, everybody was staring at the screen. The footballers were completely besides themselves with joy, and the whole country with them. I have no idea how I managed to sleep with so much noise around but it would have been a little naive to wait for everybody to calm down before going to bed. The celebrations continued till Monday night.

As expected there were hardly any students at school on Monday. So the few that had turned up were allowed to go home. The excitement was too big, everybody wanted to go to the road (Great East) at noon to wait for the heroes to come home.

Cecilia wanted to go there as well, just “quickly”, to have a look at the team. So I decided to go with her.

At around 12 o’clock we left the school and started walking, in the burning sun.

Everywhere were people. The grass between the two lane was full of people. Many were wearing the national colours, had flags or were wearing jerseys. The cars that were going both ways were honking. The blue mini busses, the probably most used vehicle in the whole of Zambia, and many other cars were decorated with flags and scarves, the drivers and the other passengers were leaning out of the windows, played loud music, shouted popular phrases and made gestures that were returned by everybody next to the road. The crowds cheered. Pick-ups and trucks on which people were standing crowded together.
On placards, banners and cars you could read many different sentences. But the phrase seen the most, the one that was used in every sentence in a conversation about football, the phrase that was written on every second mini bus was: Drogba for sale!

 

Didier Drogba, Ivory Coast’s superstar, had missed a penalty kick with which he could have changed the whole match.
The Zambians can’t mention often enough that not even this world-class player had been able to stop them on their way to the trophy.

 

I stood in the burning sun and was confronted with a crowed that was filled with nothing but joy. But this scene actually even scared me a little. There was so much joy, the emotions were so strong. Then I wasn’t surprised anymore that people had died in the celebrations after the semi final. The people were filled with so much joy that they completely forgot about any danger. People standing on car’s roofs, jumping on cargo areas of moving trucks just to start dancing for everybody else’s amusement. Groups of guys that made everybody laugh by running onto the road, stopping cars and imitating the procedures seen at the regular police checks on Zambia’s roads.

Everything went well where we were standing, but on the news the next day it was said that again not all situations had ended that peacefully. Five dead and more than thirty injured.

It is very sad that an event that moves all Zambians so much, that brings everybody together, makes everybody so happy, has caused the dead of more than 21 people.

 

 

It was said that the team’s plane would land at 1pm at the airport. It was 1pm. Then 2pm. Nothing.

But at 3.30pm they would actually be on the road already, we were told. 3.30pm: nothing. 4pm: nothing. Even at 5pm nothing had happened.

After more than five hours of waiting in the sun, the noise increased and the people seemed to move even further onto the road than they had done before. From 4.30pm onwards, after the vice president had passed by after he had returned from the match, the people had gone onto the road and taken so much space that instead of three cars fitting next to each other, now only one could squeeze through. Still the people seemed to move onto the road even more, everybody pressed forward.
And there they were!

There was the team with the trophy on an open truck.

Suddenly I found myself in “a sea” of black arms that were raised in the air. Everywhere around me was nothing but hands. All black. Obviously that shouldn’t have surprised me, but somehow it did.

 

Now everything has calmed down, but you still see a lot of cars with flags.

The Zambians won’t recover from that “shock of joy” too soon.

 

Oh yes, on that Monday I had obviously not taken my camera to school! I could have killed myself for that when I got to the road and saw that amazing crowd.

So, the pictures I posted are not mine, I just took them from the internet…

The best wishes…as always!

This entry was published on February 20, 2012 at 2:42 pm and is filed under Uncategorized. Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

One thought on “Drogba for Sale!

  1. Thanks for sharing! Ich lese sehr gerne von dir und von Sambia! Take good care, Christine (HOPLAA)

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